Die Stammesgeschichte
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Der Stamm David aus Bad Krozingen feierte sein 35-jähriges Jubiläum.

 

Peter Franken erinnert sich an die Anfänge:


"Beim Elternabend der Erstkommunikanten im Jahr 1976 wurde nachgefragt, 
wie man die Kinder weiter an die Pfarrgemeinde binden könnte. Dabei kam die Frage auf, ob es noch die Pfadfinder ganz allgemein gäbe. Als ehemaliger Pfadfinder erklärte ich mich
bereit, der Frage nachzugehen. Und siehe da, die DPSG gab es mit einigen
Stämmen in der Regio.


Der nächste Stamm existierte in Staufen, wo ich die ersten Erkundigungen einziehen konnte. Am nächsten Elternabend berichtete ich von meinen Recherchen und wurde gebeten, die Gründung eines Stammes in Bad Krozingen in die Wege zu leiten.


Das führte dazu, dass der damalige Pfarrer Spinner, Mitarbeiter des Pfarrbüros und ich etwa 400 Familien aus der Pfarrei anschrieben, inwieweit Interesse bei den Eltern und Jugendlichen für die Gründung eines Stammes bestehen.


Die Resonanz war äußerst positiv. Auch ehemalige Pfadfinder meldeten sich und erklärten sich bereit, beim Aufbau mitzuhelfen. So entstand ein Team von Erwachsenen, die sich mit dem Aufbau befassen wollten.


Die erste wichtige Aufgabe war es, geeignete Leiter und Leiterinnen für die einzelnen Stufen zu finden.  In den nächsten Monaten wurden Schulungen hauptsächlich an den Wochenenden durchgeführt, um  auf die Führungsaufgaben  hinsichtlich von Pfadfindertechniken und  Umgang mit Kindern und Jugendlichen vorzubereiten.
Weitere Leiterinnen und Leiter kamen dazu.


In der Zwischenzeit mussten geeignete Räumlichkeiten gefunden werden, um Truppstunden abhalten zu können. Pfarrer Spinner bot uns den ungenutzten (noch nicht ausgebauten) großen Keller unter dem Kindergarten St. Marien
an.

Mit viel Eigenarbeit wurden die Räumlichkeiten mit Unterstützung von der
Kirche vom Fußboden bis zur Deckenverkleidung ausgebaut.

Im Jahr 1977 waren wir mit den Vorbereitungen soweit, dass wir Kinder und Jugendliche aufnehmen konnten.


Ich wurde zum Stammesleiter gewählt, Hartmut Menn wurde mein Vertreter. Meine
einzige Bedingung war, obwohl die DPSG katholischen Ursprungs ist, dass nicht
nach der Religionszugehörigkeit gefragt wird. Andere Pfadfinderorganisationen gab
es nicht in der Gegend.


In kurzer Zeit hatten wir etwa 124 Kinder und Jugendliche zu betreuen. Eine Warteliste musste angelegt werden, weil das Interesse sehr groß in der Gemeinde war, und die Trupps nicht zu groß werden sollten.


Was noch fehlte, war der Stammesname. Es setzte sich der Name „Stamm David“ durch, vorgeschlagen vom Pfarrer Spinner, der unser Kurat wurde. Die Namensgebung fand anlässlich einer Leiterwanderung im Hirschen von Britzingen statt.


Eine Stammesfahne und ein Banner mit der alten Lilie wurde von Sibylle Fr. und Gisela M. kreiert und genäht. Das Banner ist noch heute im Leiterraum zu sehen. [Jeder Pfadfinder des Stammes David legt noch heute über diesem Banner sein Versprechen ab.]


Ein Elternbeirat wurde auch gebildet, der sich sehr aktiv einbrachte und der
uns mit Rat und Tat unterstützte.


Nach einem Jahr erhielten wir vom evangelischen Pfarrer einen Scheck über DM 500,-- für unsere gute Jugendarbeit. Schließlich war der Sohn des Pfarrers ein ganz eifriger Pfadfinder.


Auch die politische Gemeinde unterstützte uns unter der Leitung von Bürgermeister
Hellmann nicht nur finanziell, sondern er gestattete auch dem Stamm in schriftlicher Form im Biengener Wäldchen Wochenendlager oder praktische Truppstunden abzuhalten. Problematisch war nur, dass wir dort kein Wasser zur Verfügung hatten, außer dem oft ausgetrockneten Neumagen.


Das erste Probelager machten wir im Münstertal in der Nähe des Kohlenmeilers mit neuen weißen Rundzelten, in denen bis zu zehn Kinder Platz fanden. Das erste Sommerlager fand dann am Fuße des Roggenbachschlosses bei Bonndorf statt. 
Die Lagermöbel wurden selbst hergestellt und waren oft etwas wackelig. Die neuen Banner wehten stolz am hohen Fahnenmast, bis sie uns eines Nachts von anderen Pfadfindern geklaut wurden, aber nach entsprechender Auslösung wieder gut bewacht im eigenen Lager wehten.


Im nächsten Jahr war ein Pfingstlager im Kropachtal als Vorbereitung auf ein großes Lager gemeinsam mit den Staufener Pfadfindern in Auxerre in Frankreich. Wir waren zu Gast bei den dortigen Pfadfindern und durften deren selbstgebauten Kanus benutzen. 
Wir brachten unseren eigenen Profikoch mit, der seinen Urlaub dafür opferte. Die Pfadfinder von Staufen meinten, dass dies nicht pfadfindergerecht sei. Nach zwei Tagen fragten sie aber, ob er nicht für sie mitkochen würde. Der Herd war natürlich selbst gebaut. In der Kathedrale von Auxerre gestalteten wir das Hochamt mit Gitarren und Flöten. Die Messebesucher waren tief beeindruckt und verließen tanzend die Kirche.
Im nächsten Jahr ging es an den Mattsee bei Salzburg auf einen internationalen Pfadfinderzeltplatz, wo wir viele Pfadfinder aus einigen Nationen kennenlernten. Unsere Pfadfinder fielen auf durch den Bau einer Solardusche, die sogar funktionierte. Sie erhielten dafür den österreichischen Pfadfinderorden als Ingenieure und nähten sich stolz
diesen Orden an ihr Klufthemd.


Auf den Lagern wurden feierliche Versprechen durchgeführt. Am Mattsee mussten die Pfadis einen dreitägigen Hike zu zweit durchführen, ausgerüstet mit einer Portion Mehl für Stockbrot, Schlafsack, einigen Schillingen für Notfälle und dem Allzeit bereit Päckchen. Sie kamen alle wohlgenährt zurück, da sie bei den wohlgesinnten Bauern nicht nur ein
Heulager, sondern auch beste Hausmannskost erhielten.


In der Zwischenzeit hatten wir einen Förderverein gegründet, um Zelte und notwendige Utensilien zu finanzieren. Alle Stammesmitglieder hatten die Kluft und den Pfadfinderhut. 
Mit der neuen „Lilie“ konnten wir uns nicht anfreunden, deshalb hatte jeder auf seinem Hemd die internationale Pfadfinderlilie. Mit dem Rüsthaus in Düsseldorf lagen wir öfters im Clinch bezüglich der abzuführenden Beiträge ohne große Gegenleistung und hohen
Katalogpreisen.


Mit anderen Stämmen hatten wir gute Kontakte durch jährliche Bezirkslager oder Leitertreffen, die zur Fortbildung angeboten wurden. Unsere Kontakte gingen von Waldkirch bis Neustadt, wo auch die „Gaufeldmeister“ ansässig waren.
Die Pfadfinder gehörten in Krozingen zum Dorfbild. Bei der Fronleichnamsprozession stellte der Stamm die Zweitstärkste Gruppe nach der Freiwilligen Feuerwehr. Da gab es keinen Unterschied zwischen Katholiken und Evangelischen.


Nach der Erinnerung von Schwierigkeiten in der Gründungszeit befragt, kann ich keine groß benennen. Einerseits standen wir als gestandenes Erwachsenenteam aus verschiedenen Berufsgruppen der Gründungsaufgabe gegenüber, auf der anderen Seite wurden wir von allen dem Prozess Beteiligten stets wohlwollend unterstützt und gefördert.


Nach fünfjähriger Tätigkeit gab ich mein Amt ab. Es war eine schöne, unvergessliche
Zeit.


Einmal Pfadfinder, immer Pfadfinder!"



 
 

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 07. August 2014 um 08:22 Uhr